Ich wusste nicht, was ich will – aber wollte es perfekt machen.

So bin ich inzwischen sehr gut darin geworden, nicht zu wissen, was ich will.

Ich wollte immer alles richtig machen. Nicht aus Pflichtgefühl. Auch nicht, weil mir jemand Druck gemacht hätte. Sondern weil ich dachte, das müsse so sein. Dass das mein Part ist.

Ich war nie so gut, wie ich es gerne gewesen wäre. Und vielleicht lag das daran, dass ich mir von Anfang an etwas vorgemacht habe.

Ich wollte nie einfach nur „okay“ sein. Ich wollte ganz oben mitspielen. Ich dachte, wenn ich schon nicht weiß, was ich will – dann will ich wenigstens zu den Besten gehören. Ohne zu prüfen, ob ich das überhaupt kann. Oder ob ich das wirklich will.

Ich habe mich an einem Ideal festgebissen, das aus einem Konjunktiv bestand:

„Vielleicht gibt es ja etwas, in dem ich wirklich gut wäre. Und wenn ich das finde – dann werde ich richtig aufblühen.“

Aber ich habe nie gewartet, bis ich es finde. Ich bin einfach losgelaufen.

Und gelandet in Jobs, in Systemen, in Umfeldern, die mir keinen Spaß gemacht haben – und in denen ich auch nichts konnte. Keine Freude. Keine Kompetenz. Kein Wunder, dass da nichts gewachsen ist. Ich hatte keine echten Ziele. Nur diese Vorstellung: Mach es gut. Oder besser: Mach es außergewöhnlich.

Und wenn schon kein Glück – dann wenigstens Leistung.

Aber ich hatte und habe auch großes Glück: Niemand in meinem direkten Umfeld hat mich jemals gedrängt. Meine Eltern nicht, meine Partnerin nicht. Im Gegenteil – sie sagten immer: Mach, was dich glücklich macht.

Und vielleicht war selbst das zu viel.

Nicht, weil es falsch gemeint war – sondern weil ich damit nichts anfangen konnte. Ich wusste ja selbst nicht, was mich glücklich macht.

Und so fing ich an, mir selbst Druck zu machen. Was wohl andere denken. Was sie erwarten. Was sie vielleicht hoffen. Ich habe für andere gedacht. Ich habe mir ein Bild erschaffen, wie ich zu sein hätte – und dann versucht, diesem Bild gerecht zu werden.

Und da waren ja auch noch die anderen. Die, die mich gar nicht kannten. Arbeitgeber. Kollegen. Die Gesellschaft. Alle zusammen ein stilles Publikum in meinem Kopf, das nie applaudierte, aber ständig Urteile sprach. Ich wollte ihnen allen zeigen, dass ich es kann.

Dass ich es ernst meine.

Dass ich einer von denen bin, die was aus sich machen.

Nur: Je mehr ich versuchte, es allen recht zu machen – desto mehr entfernte ich mich von mir selbst. Und irgendwann war da niemand mehr, dem ich überhaupt gerecht werden konnte. Nicht mal mir.

Und das Ganze spielte sich für mich immer im Beruf ab. Ich dachte, solange ich einfach „irgendetwas mache“, ist alles halbwegs im Lot.

Ich habe unterschätzt, wie wichtig dieser Bereich für mich ist – und wie sehr er alles andere beeinflusst: Meine Stimmung. Meine Energie. Meine Beziehung. Und das, was von anderen zu mir zurückkam.

Ich wollte es allen recht machen – aber ich vergaß, dass ich dazugehöre.

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