Ich wollte es richtig machen – und fühlte mich noch falscher.

Mit 28 habe ich eine Ausbildung zum Bankkaufmann angefangen. Nicht, weil ich es wollte – sondern weil ich dachte: Ich muss jetzt endlich etwas Richtiges machen.

Ein sicherer Beruf.

Ein planbarer Weg.

Ein System, das Struktur verspricht.

Ich wollte etwas aufbauen, etwas abschließen, mir selbst beweisen, dass ich kann.

Vielleicht auch: dass ich „normal“ bin.

Also fing ich an.

Und anfangs war es okay.

Ich durfte wieder in die Schule gehen, mich verkleiden und hinter schicken Klamotten verstecken, das konnte ich gut.

Dazu ein Nebenjob in einer Pizzeria. Ein alter Sizilianer namens Ernesto mit einem großen Herz und gutmütigem und leidenschaftlichen Charakter, ein Fiat Panda und der Duft von Pizza. Nebenbei lief Fußball, wir diskutierten über Politik und philosophierten über das Leben. Ein bisschen dolce vita und für mich die geeignete Abwechslung zum Bankalltag

Nur die Ausbildung selbst – also der Alltag in der Bank – war für mich schwer auszuhalten.

Diese Strukturen, diese Hierarchien, dieses unausgesprochene „So machen wir das schon immer“. Ich fühlte mich nicht gesehen. Nicht verstanden. Mal wieder einfach fehl am Platz.

Aber ich habe versucht, das nicht auf die Bank zu schieben. Ich habe mir eingeredet, dass es an mir liegt – und das meine Aufgabe ist, es zu meinem zu machen. Verantwortung zu übernehmen. Nicht im Außen die Schuld zu suchen.

Das erschien mir reif, vernünftig, erwachsen.

Vielleicht war es das auch.

Aber irgendwann war da keine Energie mehr, um mich immer wieder neu zu verbiegen. Ich hatte keinen echten Ausgleich. Ich habe nicht über meine Gefühle gesprochen.

Und auch wenn Menschen, die mich gut kannten, längst sahen, dass es mir nicht gut ging – habe ich vieles unterdrückt. Bis kurz vor Schluss.

Schon gegen Ende der Ausbildung suchte ich nach einer Alternative.

Nicht, weil ich nun wusste, was ich wollte – sondern weil ich spürte, dass ich da weg musste.

Ich wurde zwar übernommen, aber es fühlte sich nicht wie ein Angebot an – sondern wie ein weiteres stilles Aushalten. Ich fühlte mich nicht wertgeschätzt. Nicht gesehen. Nicht am richtigen Ort.

Also ging ich.

Und wieder dachte ich: Jetzt wird es besser. Nur anders halt.

Aber das Muster blieb.

Heute verstehe ich ein bisschen besser, was da passiert ist.

Ich dachte, Anpassung sei der Schlüssel zum Erfolg. Dass die stärksten Menschen die sind, die sich am besten einfügen. Aber niemand hat mir gesagt, dass man sich dabei auch verlieren kann.

Ich wollte es richtig machen. Aber dabei habe ich wieder nicht gefragt, ob es überhaupt richtig für mich ist.

Vielleicht beginnt Verantwortung nicht im Außen und der Anpassung.

Sondern im Innen und damit, sich selbst ehrlich zuzuhören.

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