Ich weiß nicht mehr, wann ich das erste Mal dachte: So kann es nicht weitergehen. Vielleicht war es 2014, als ich mein Studium abbrach – nach vier Jahren!
Kein Jahr später zerbrach auch meine langjährige Beziehung. Kein Wunder. Hätte ich mal lieber ein Selbststudium begonnen.
Stattdessen ging ich einfach weiter. Ohne Ziel. Ohne Plan. Aber mit einem Gedanken, der mich schon lange begleitete: Ich wollte reich werden.
Nicht, weil ich wusste, was ich mit dem Geld anfangen würde. Nicht, weil ich wusste, wer ich sein wollte.
Sondern weil ich dachte, dass das reicht: Der Wunsch. Der Satz. Die Idee vom Mehr. Zurück in die vermeintlich unbeschwerte Kindheit.
Doch ich tat nichts. Ich sprach darüber, sammelte Ideen, beobachtete andere – und redete mir ein, dass ich auch etwas Großes starten würde. Irgendwann.
Stattdessen flüchtete ich mich in mein Leben: Nebenjobs, die Suche nach einer Aufgabe, meine damalige Beziehung, exzessives Training.
Ich war beschäftigt. Aber nicht mit mir.
Ich wusste längst, dass sich etwas ändern muss.
Ich hatte kein Ziel, übernahm keine Verantwortung – ich hoffte einfach.
Ich funktionierte – aber immer nur bis zur nächsten Ausweichbewegung.
Ich wollte, dass jemand mich sieht, meine Hilflosigkeit erkennt, mich an die Hand nimmt. Und selbst wenn das geschah, schob ich die Verantwortung weiter.
Ich fing etwas an, das nicht meins war. Weil es vernünftig klang. Weil man ja irgendwas machen muss. Weil ich Angst hatte, in mir selbst anzufangen.
Ich war wie ein Mensch, der spürt, dass das Haus brennt – aber sich nicht bewegt.
Elf Jahre lang.
Elf Jahre voller Gespräche über Träume, über Möglichkeiten, über irgendwann.
Elf Jahre, in denen ich wusste, dass es so nicht weitergehen darf – und trotzdem machte ich genauso weiter.
Nicht, weil ich es nicht besser wusste. Sondern weil ich nicht wusste, was ich mit dem Wissen anfangen soll. Und weil ich mich selbst nicht ernst nahm.
Heute frage ich mich manchmal, wie viele gelbe Briefe, Kontopfändungen und emotionale und körperliche Denkzettel es braucht, bis man wirklich etwas ändert.
Und ich weiß die Antwort nicht.
Ich weiß nur: Es ist nie der eine Moment. Es ist die Summe.
Die Müdigkeit. Das Leeregefühl, wenn selbst Ausreden zu anstrengend werden.
Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit Erkenntnis.
Vielleicht beginnt sie mit dem Satz: Ich will mich selbst nicht mehr belügen.
Und genau das versuche ich gerade.
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