Ich habe mich jahrelang für faul gehalten. Für jemanden, der einfach nicht genug Biss hat. Der viel anfängt, aber nichts zu Ende bringt. Der immer dann aussteigt, wenn es anstrengend wird. Der das scheinbar einfach „nicht kann“ – durchziehen.
Ob Schule, Studium oder Job – das Muster war immer da. Ich war interessiert, aber nicht konstant. Ich war begabt, aber nicht belastbar. Ich hatte Ideen, aber keine Ausdauer.
Und irgendwann habe ich es geglaubt: „Du bist eben einer von denen, die das nicht schaffen.“ Nicht aus Trotz. Sondern weil es sich so vertraut anfühlte. Ich wurde der Typ, der Ausreden findet. Der sich rausredet. Auch vor sich selbst.
Aber je mehr ich mich wirklich mit mir beschäftige, desto klarer wird: Das war nie Faulheit. Das war Überforderung. Das war Unsicherheit. Das war das Fehlen eines echten Ziels – eines, das mir gehört.
Ich wusste nie so richtig, wofür ich überhaupt kämpfen sollte. Wessen Leben ich da eigentlich versuchte zu erfüllen. Und so war „nichts tun“ mein stiller Protest gegen ein Leben, das nie meines war.
Heute sehe ich es anders. Nicht als Ausrede. Sondern als Erkenntnis.
Ich war nicht zu bequem – ich war zu leer. Und mein Körper, meine Energie, mein ganzer innerer Antrieb hat das gemerkt. Lange bevor ich es selbst verstehen konnte.
Und auch jetzt bin ich nicht plötzlich diszipliniert oder strukturiert. Ich habe nicht „alles im Griff“. Aber ich lerne, dranzubleiben. Nicht für eine Karriere oder Applaus – sondern für mich.
Schritt für Schritt.
Nicht, weil ich muss.
Sondern weil ich endlich will.
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