Ich bin als Wunschkind auf die Welt gekommen.
Spät, geliebt, beschützt – und mit einer Art innerem Versprechen: „Du darfst einfach du sein.“ Und das war ich auch: still, feinfühlig, neugierig. Ein Kind, das viel fragte, vieles verstand – und sehr früh spürte, wenn etwas nicht stimmte.
Meine Eltern waren stark. Meine Mutter, eine kluge, warmherzige Künstlerin, die ihre Karriere für die Familie opferte. Mein Vater, ein brillanter Selbstverwirklicher mit Hang zur Unruhe.
Beide waren außergewöhnlich sprachbegabt – für sie waren Worte wie ein Zuhause, aber in sehr unterschiedlicher Form – und beide liebten mich.
Und trotzdem:
Ich begann früh, meine Gefühle nicht mehr zu zeigen. Nicht, weil sie keinen Platz hatten. Sondern weil ich sie selbst nicht verstand. Weil ich dachte, ich müsste damit allein fertigwerden. Und weil ich merkte, dass draußen in der Welt dafür ohnehin kein Raum war.
Ich war das Kind, das vermittelte. Zwischen den Streits. Zwischen dem Schweigen. Mit sieben mischte ich mich ein – weil ich dachte, ich müsste. Dass es nicht meine Aufgabe war, begriff ich erst Jahrzehnte später.
Ich lernte früh, für Harmonie verantwortlich zu sein. Und das hat mich geprägt.
Ich probierte vieles aus. Ich war sportlich, kreativ, schnell begeistert. Aber sobald es schwierig wurde, hörte ich auf – und niemand hielt mich davon ab.
Ich war zu klug, um dumm zu scheitern. Aber zu unsicher, um wirklich zu fliegen. Später wurde ich gut in Dingen, die man nicht in Schulnoten messen kann:
Zocken. Technik. Kommunikation. Frauen.
Aber sobald es ernst wurde, wenn jemand fragte: „Und was willst du eigentlich wirklich?“ Dann wusste ich keine Antwort. Oder: Ich spürte sie, aber sprach sie nicht aus. Weil ich Angst hatte, dass sie nicht reicht. Oder falsch ist.
Ich lebte ein Leben mit vielen Möglichkeiten – und ließ die meisten liegen. Nicht aus Faulheit. Sondern aus Überforderung. Und Angst, wirklich zu scheitern.
Und irgendwann fiel alles zusammen: Die Jobs, das Geld, die Beziehung, die Hoffnung. Ich stand vor einem Haufen Entscheidungen, die ich nie getroffen hatte. Nur immer aufgeschoben.
Heute weiß ich:
Ich hatte nie gelernt, mir selbst zu folgen. Ich war immer unterwegs zwischen Erwartungen und Träumen – aber ohne Karte. Ohne Stimme, die sagte: „Das hier, das bin ich.“
Diese Stimme suche ich jetzt.
In den Texten. In der Klarheit.
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